Mobilität neu denken

Unser Antrag für ein städtisches Mobilitätskonzept hat ja offensichtlich einen Nerv getroffen, vielleicht auch provoziert. Richtig ist, und darauf haben wir in der Antragsbegründung explizit hingewisen, dass auch andere Fraktionen in der Vergangenheit bereits Anträge mit ähnlicher Überschrift gestellt haben. Wenn wir allerdings ein integriertes städtisches Mobilitätskonzept fordern, dann meinen wir damit nicht nur ein Konzept für die Innenstadt mit dort verkehrslenkenden Maßnahmen (Stichwort: Folgen einer zweispurigen Südbrücke für den Verkehr in der Innenstadt). Wir wollen Mobiltät neu denken. Es ist symptomatisch, dass sich Leserbriefe und die Reaktionen anderer Fraktionen, auch in der Sitzung des Stadtrates am Dienstag, ausschließlich auf den Autoverkehr beziehen. Um den geht es auch. Aber zuerst geht es um Vermeidung und Verlagerung von Mobilität hin zu Fuß- und Radverkehr und ÖPNV, im letzten Schritt dann erst um verkehrslenkende Maßnahmen. Dies waren auch die Prioriäten, die wir Grünen vor fünf Jahren im Antrag für ein regionales Mobilitätskonzept für den Südkreis beantragt hatten. Inwieweit dies dort tatsächlich umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Wir haben bereits ein beschlossenes Teilkonzept für Mobiltität in Verden, das Radverkehrsförderkonzept von 2012. Dafür haben wir Grünen erst kürzlich eine Aktualisierung und vor allem einen Umsetzungsfahrplan beantragt, weil von den insgesamt 180 Einzelmaßnahmen bisher nur ein Teil angegangen wurde. Darunter sind allerdings auch große Projekte, wie der Brückenschlag über die Aller und die Planung für einen Radweg vom Bahnhof über die BBS nach Walle. Klar ist, dass weitere Überlegungen zur Verkehrsentwicklung dieser bereits beschlossenen Konzeption berücksichtigt  werden müssen.

Wenn wir über Mobilität der Zukunft sprechen müssen auch absehbare und wünschenswerte Entwicklungen voraussehen und berücksichtigen. Viele Menschen haben erst kürzlich entdeckt, dass mit E-Bikes Mobilität ohne Auto unanstrengend möglich ist. Job-Bikes boomen, auch in Verdener Unternehmen. Der Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) plant sehr konkret die Integration von Bike- und Carsharing-Angeboten in seine Fahrplaner-App. Mit den Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens entstehen auch im ÖPNV ganz andere Möglichkeiten. So könnten kleine Elektro-Shuttle-Busse im 5 bis 20-Minuten-Takt verkehren (z.B. zwischen mehreren Haltestellen in der Verdener Innenstadt und Hönisch oder P+R-Parkplätzen am Stadtrand).

Mobiltitätswende zu organisieren erfordert vorausschauende Planung, Mut und eine neue Prioritätensetzung bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Hier liegt obenauf, was bereits beschlossen wurde: die zeitnahe Umsetzung des Radverkehrsförderkonzeptes. Und was sich aufdrängt, ist die Beseitigung der vielen Schäden in Radwegen. Weitergedacht: radikal neue Impulse für den Öffentlichen Personennahverkehr. Hierzu gibt es von verschiedenen Fraktionen Anträge oder Ideen, vom günstigen Jahresticket bis zum umlagefinanzierten ÖPNV, mit deutlich verbessertem Takt. Und schließlich: Mobilitätsplanung hat viel mit Stadtentwicklung zu tun. An welchen Stellen soll die Stadt weiter wachsen, wie können wir dieses Wachstum gestalten und welche Infrastruktur (Einkauf, Kitas, Schulen) können und müssen zur Vermeidung von Verkehr wohnortnah organisiert werden? Die gleichen Fragen stellen sich für das Umland.

Die Mobilitätswende ist möglich. Es geht um mehr als nur um die Umleitung von Autos. Es  geht um einen ganzheitlichen Blick auf die Mobillität der Zukunft!
Deshalb fordern wir Grünen ein integriertes städtisches Mobilitätskonzept, das dann auch umgesetzt wird.

Rasmus Grobe

Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

im Rat der Stadt Verden

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