Dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien satt, dass wünschen sich Energiegenossenschaftler und Grüne gleichermaßen. V.l. Thomas Krug, Ehler Lohmann, Stefan Okrongli, Julia Verlinden, Sven-Christian Kindler (beide MdB), Landtagskandidatin Doris Gerken, Karin Labinsky-Meyer, Hubert Dapper, Walter Franzmeier und Corbinian Schöfinius.

Auch die „Magersucht der Behörden“ bremst die Energiewende

Grüne MdBs Verlinden und Kindler besuchen Bürgerenergiegenossenschaft REALWeg in Westen

„Seit neun Jahren sind unter Kanzlerin Merkel die CO2-Emissionen nicht gesunken, der Kohleausstieg ist also überfällig und wir brauchen mehr Engagement für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, um die Klimaschutzziele zu erfüllen. Die schwarz-rote Bundesregierung hat stattdessen unsinnige Obergrenzen für den Ausbau von Erneuerbaren Energien eingeführt und alles bürokratischer gemacht!“ Nicht zuletzt deshalb zog Bundestagsmitglied Julia Verlinden verbal den Hut vor dem, was die im letzten Winter gegründete Bürgerenergiegenossenschaft “Regional- und Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser, e.G.”, kurz REALWeg, entgegen dem Abwärtstrend klassischer Energiegenossenschaften mit dem neuen Konzept bereits geschafft hat. Gemeinsam mit ihrem grünen Bundestagskollegen Sven-Christian Kindler war sie jetzt in Dörverden-Westen, um mit den Energiegenossenschaftlern über Hemmnisse, Möglichkeiten und Zukunftsentwicklungen zu sprechen.

Nach Ansicht der Bundes-Grünen möchte das Wirtschaftsministerium den Energiemarkt kontrollieren – das gehe bei wenigen großen Konzernen einfacher als bei vielen kleinen, regionalen Genossenschaften. „Doch damit werden die ohnehin schon unzureichenden Anreize für die Energiewende weiter konterkariert“, so Verlinden.

Dass dennoch vieles geht, beweisen gerade die REALWeg-Genossenschaftler. 37 Gründungsmitglieder hatten Anfang des Jahres dem aus Corbinian Schöfenius und Thomas Krug bestehenden Vorstand einen klaren Arbeitsauftrag erteilt: Aufbau einer Genossenschaft zur lokalen Umsetzung der Energiewende. Neben den klassischen Zielen einer Energiegenossenschaft, der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, sollen auch Projekte zum klimafreundlichen Mobilitätswandel, der regionalen Vermarktung des erzeugten Stromes sowie der Wärmeproduktion im Portfolio von REALWeg stehen. Das erste Projekt bringt e-CarSharing in das Aller-Leine Tal und steht kurz vor der Umsetzung. Die Erfahrungen, die dabei gesammelt wurden, interessierten die Bundespolitiker Julia Verlinden und Sven-Christian Kindler so sehr, dass sie mit Hilfe des Grünen Kreisverbandes ein Fachgespräch mit dem Vorstand von REALWeg arrangierten.

Von bürokratischen Unwägbarkeiten ahnten die Energiegenossenschaftler bereits etwas bei der Gründung. Schöfenius sagte dazu „Die Formalitäten für eine Genossenschaftsgründung oder Projektförderung sind zwar viel Arbeit, aber es ist ja für eine gute Sache, und wir sind sehr motiviert. Was uns jedoch erstaunt, ist die lange Bearbeitungszeit für Förderanträge mit Bundesmitteln.“ Vergleichbare Anträge an die EU seien in wenigen Wochen bewilligt worden. „Doch der Bund brauchte ganze 6 Monate dafür!“ Der Grüne Haushaltsexperte Kindler dazu: „Seit einigen Jahren weht ein neoliberaler Wind durch die Ministerien. Es heißt, ein schlanker Staat sei besser. Mittlerweile leiden viele Behörden aber an Magersucht, und Arbeit bleibt einfach liegen.“ Er versprach, den Bewilligungsprozess einmal unter die Lupe zu nehmen. Es nütze wenig, Förderprogramme aufzustellen, deren Geld aber aufgrund mangelhafter Prozesse nie bei den Initiativen ankommt.

Trotz langer Bearbeitungszeiträume sind die Energiegenossenschaftler mit viel Elan bei der Sache. Zukünftige Projekte stehen bereits in den Startlöchern. Neben der Energieerzeugung soll es dabei auch um regionale Vermarktung von Strom gehen. Krug sagte dazu: „In wenigen Jahren werden die ersten Solar- und Windkraftanlagen aus der EEG Förderung herausfallen. Wir möchten den Betreibern dann einen fairen Abnahmepreis für ihren Strom bieten, und diese Energie regionalen Verbrauchern zu guten Konditionen anbieten.“ Anders als bei überregionalen Energiekonzernen sind die REALWeg Rendite-Erwartungen nicht so hoch, und etwaige Überschüsse können so in weitere Projekte investiert werden.

Verlinden und Kindler waren zufrieden mit dem Gespräch. „Das war ein guter Austausch, und wir sind froh, dass so viele Privatpersonen, ob als Landwirte, auf dem eignen Dach oder in Genossenschaften den Ausbau der Erneuerbaren Energien seit 20 Jahren vorantreiben. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Demokratisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung. Wichtig sind für uns auch die Anregungen und Ideen, die wir mit nach Berlin nehmen. Das wirkungsvollste Mittel gegen die Klimakrise ist eine funktionierende Energiewende. Die Bürgerenergiegenossenschaft REALWeg zeigt den richtigen Weg: motivierte regionale Initiativen könnten sogar noch viel mehr erreichen, doch leider mangelt es an Unterstützung durch die Große Koalition aus SPD und Union. Die Bundesregierung hat noch nichts getan, um den Pariser Klimaschutzvertrag umzusetzen. Eine echte Energiewende gibt es nur mit den Grünen“, so die beiden Bundestagskandidaten unisono.

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