Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen

Der Frühling ist wieder da. Die vielen Krokusse in unserem Garten locken die ersten Wildbienen und Hummeln an. Das Vogelgezwitscher besonders am Morgen will gar kein Ende nehmen. Die Welt in und um Fischerhude scheint noch in Ordnung zu sein.

Doch ein Beitrag in einer Umweltzeitung hat mich nachdenklich gemacht. Es geht um den dramatischen Rückgang von Insekten. Woran erkennt man das Insektensterben? Antwort: An der Windschutzscheibe. Als ich vor 30 Jahren auf dem Land mit dem Auto im Sommer unterwegs war, sammelten sich auf der Frontscheibe viele tote Insekten.

An den Tankstellen gab es extra kleine Schwämmchen zum Abrubbeln der an der Scheibe und den Lampen klebenden Insekten. Und heute gibt es diese Erscheinungen kaum noch.

Untersuchungen des NABU zeigen, dass in Teilen Deutschlands die Zahl der Fluginsekten um 80 Prozent zurückgegangen ist. In Nordrhein-Westfalen wurden in Untersuchungsfallen in den 1990er Jahren noch 1,6 Kilogramm Insekten gesammelt, heute sind es noch ganze 300 Gramm. Dies sind erschreckende Befunde. Dabei sind Insekten die Grundlage der Nahrungskette für viele Vögel, Amphibien und Säugetiere und damit die Grundlage der Artenvielfalt schlechthin.

Insekten bestäuben neun von zehn Wildblumen, das heißt, diese können sich ohne Insekten auch nicht vermehren. Insekten sind auch die Bestäuber von sehr vielen Nutzpflanzen wie Obstbäume. Im Zusammenhang mit dem Bienensterben wurde diese Problematik schon intensiv diskutiert. Erst stirbt die Biene, dann der Mensch wie Albert Einstein sagte. Ungefähr dreiviertel unserer Nahrungsmittel würden ohne diese „Dienstleistung“ fehlen.

Untersuchungen zeigen, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Abnahme der Insekten und den Besatzeinbrüchen bei den Vögeln wie z. B. Rebhühnern gibt. Aufgrund fehlender Nahrung in Form von Insekten sind die kleinen Küken von Rebhühnern nicht in der Lage, zu überleben.  Dies gilt übrigens auch für viele andere Vogelarten.

Worin liegen nun die Ursachen für das Sterben von Schmetterlingen, Bienen und Schwebfliegen? Eine der Hauptursachen liegt in der intensiven Form der Landwirtschaft mit ihrem Pestizideinsatz. Vieles deutet darauf hin, dass wir es mit einer weitreichenden Vergiftung der Insekten in unserer Umwelt zu tun haben. Besonders Neonicotinoide, die seit Mitte der 1990er Jahre eingesetzt werden, stehen im Verdacht, für das massenhafte Sterben verantwortlich zu sein. Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Mittel weit über ihr Einsatzgebiet hinaus Schäden unter Honigbienen, aber auch in der gesamten Insektenfauna auslösen.

Neonicotinoide sind Nervengifte, die 5.000 bis 10.000-mal wirksamer sind, als das in den 1970er Jahren verbotene DDT. DDT wurde damals verboten, weil es sich in der Nahrungskette angereichert hat. Der heutige Einsatz immer stärkerer Pestizide ist eine Sackgasse. Auf EU-Ebene muss diesen Pestiziden die Zulassung entzogen werden. Dafür setzen wir Grünen uns ein, damit es nicht zu einem „stummen Frühling“ kommt.

Aber bekanntlich mahlen die Gesetzesmühlen der EU sehr langsam. Deshalb sind wir alle aufgefordert, etwas für die Erhaltung und Ausbau der Lebensgrundlagen der Insekten und damit auch der Vögel zu tun. Vielfältig angelegte Gärten mit vielen Büschen und Sträuchern sowie Blumenwiesen ohne Einsatz von Giften sind ein Beitrag zum Artenschutz. Blühstreifen, Hecken und Ackerrandstreifen bilden weitere Lebensräume für die Insekten. Eine Landbewirtschaftung ohne Pestizide und synthetische Düngemittel wie der ökologische Landbau ist eine realisierbare Zukunft. Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden durch unser Kaufverhalten an der Ladenkasse mit darüber, wie die Lebensräume für Pflanzen und Tiere aussehen.

Erich von Hofe, Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, aus Fischerhude

 

 

 

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