Die Verdener Hebamme Sabine Krauss-Lembcke (li) informierte auf der Kreismitgliederversammlung der Grünen in Verden u.a. den Vorstand - hier v.l. Doris Gerken, Karin Labinsky-Meyer, Stefan Okrongli und Susanne Hüneke - über ihre Einschätzung der aktuellen Berufssituation und über die bevorstehenden Entwicklungen.

Freie Wahl des Geburtsortes und Hebammenversorgung im Landkreis

Entwicklungen brauchen politischen Rückhalt.

Kreisgrüne informierten sich bei Verdener Hebamme.

Rein nach Zahlen ist der Landkreis Verden relativ gut mit Hebammen versorgt. Noch! So zumindest sieht es Sabine Krauss-Lembcke. Die Verdener Hebamme gab jetzt auf der Kreismitgliederversammlung der Grünen ihre Einschätzung zur aktuellen Situation und der anstehenden Entwicklung. Immerhin steht der Berufsstand vor der Akademisierung, und in den kommenden zehn Jahren werden rund 25 % Hebammen in den Ruhestand gehen.

Wellenbewegungen hätte es in dem Berufsstand immer schon gegeben, so Krauss-Lembcke, die sich neben ihrer Freiberuflichkeit im Berufsverband engagiert, als Supervisorin und in der Weiterbildung für Hebammen.

Viele Jahre lang hätten Frauen den Wunsch gehabt, Kinder im Krankenhaus zur Welt zu bringen. Das kehre sich gerade wieder um. „Die Frauen sind selbstbewusster geworden, viele stellen sich gegen den Trend, als Schwangere fast wie eine Kranke behandelt zu werden“, berichtete Krauss-Lembke. Frauen wollen wieder mehr die natürliche Geburt mit Raum und Zeit.

Doch dem Wunsch nach selbstbestimmter Geburt stehen viele Hürden entgegen. „Viele Hebammen verzichten darauf, Hausgeburten betreuen zu dürfen, denn mit einer Zulassung für diese Leistung steigen die Versicherungsprämien exorbitant.“ Das sei ein unschöner Trend der letzten Jahre, dem politisch entgegengewirkt werden müsse. „Hier muss ein Deckel drauf, nicht zuletzt, weil die Schadensfälle in der außerklinischen Geburtshilfe in den letzten Jahren NICHT gestiegen sind.“

Das spiegelt auch das Vertrauen wider, das der Gesetzgeber in die Hebammen hat. „Nicht umsonst haben wir die Situation, dass eine Ärztin oder ein Arzt für den Geburtsvorgang eine Hebamme hinzuziehen MUSS, eine Hebamme aber selbst entscheiden KANN, ob sie eine Ärztin oder einen Arzt hinzuzieht.“

Die Akademisierung ist in Krauss-Lembckes Augen dennoch ein dringend überfälliger Schritt. „Wir hier in Deutschland sind das Schlusslicht in Europa.“ Wenn endlich die Ausbildung „auf dem Papier“ werthaltiger wird, könnte vielleicht auch der Umgangston besser werden. „Unser landes- und bundesweiter Hebammenmangel liegt weniger daran, dass es keine Hebammen gibt, sondern daran, dass gut ausgebildete Frauen keine Lust haben, sich dem oft hierarchischen und bevormunden Umgangston in Krankenhäusern auszusetzen.“ Zukünftig brauche die Geburtshilfe eine interdisziplinäre Teamarbeit auf Augenhöhe.

Der Ton mache die Musik, auch in diesem Beruf. Die Hebamme freut sich, dass im Verdener Krankenhaus die Geburtshilfeabteilung eine interventionsarme natürliche Geburtshilfe praktiziert und die kollegiale Zusammenarbeit auch mit den externen Hebammen gut funktioniert.

Derzeit werden in Niedersachsen an elf Schulen Hebammen ausgebildet. Ab 2020 sollen es vier Hochschul-Standorte geben, an denen je 60 Studentinnen dual ausgebildet werden. Das Verdener Krankenhaus als Ausbildungskrankenhaus für den Praxisteil zu gewinnen könne in der Tat eine Möglichkeit sein, mehr Hebammen in den Landkreis zu bekommen und vielleicht zum Bleiben zu begeistern.

Denn so gut wie die Stadt Verden selbst versorgt ist – nicht zuletzt durch die gute Geburtshilfeabteilung im Krankenhaus – , so schwieriger ist die Versorgung in den ländlichen Gebieten des Landkreises, besonders auf der linken Weserseite. „Die Samtgemeinde Thedinghausen kann sicher in Sachen Hebammenbetreuung noch Unterstützung brauchen“, sagt Krauss-Lembcke.

 

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