Sind Hebammen eine bedürftige Spezies?

Landkreis-Grüne: Der Berufsstand braucht unsere politische Hilfe

Seit 1991 wird am 5. Mai der Internationale Hebammentag begangen, um die Geburtshelferinnen und ihre Arbeit zu ehren und auf die Bedeutung des Berufsstandes für die Gesellschaft hinzuweisen. Meist werden solche Gedenk- und Aktionstage für Bedürftige kreiert, für Tiere, Pflanzen, Naturwunder, Menschengruppen, denen man Schutz angedeihen lassen muss. Sind Hebammen eine bedürftige Spezies?

Ganz klar ja, sagen die Grünen im Landkreis Verden, und das nicht erst jetzt zum Aktionstag. So war die Hebammenversorgung im Landkreis auch Thema auf der letzten Vorstandssitzung des Kreisverbandes und wird zudem viel Raum auf der nächsten Mitgliederversammlung am Mittwoch, 6. Juni, einnehmen.

Denn seit wenigen Jahren steigen die Geburtenraten in Deutschland wieder. Eigentlich erfreulich. Doch eine Frau, die heutzutage schwanger wird, muss – noch während sie in den ersten Wochen spuckend über der Toilette hängt – darüber nachdenken, wo sie eine Hebamme herbekommt. Hebammen für die häusliche Vor- und Nachsorge und erst recht für die Geburtsbegleitung sind echte Mangelware. Und das Problem verschärft sich von Jahr zu Jahr, denn viele Hebammen hören altersbedingt auf, ausreichend viele neue kommen aber nicht nach, zu schlecht die Rahmenbedingungen des Berufsstandes.

Warum ist die Situation derart prekär? Derzeit schon werden an den Berufsfachschulen unter Bedarf Hebammen ausgebildet. Die wenigen Absolventinnen gehen an die Krankenhäuser oder zumindest in die Städte, sodass im ländlichen Raum die Versorgung werdender Mütter besonders schwierig ist. Will aber eine Hebamme auf dem Land arbeiten, selbstständig die Frauen zuhause betreuen, scheitert sie nicht selten an der Berufshaftpflichtversicherung, die exorbitante Beträge abverlangt, wenn man nicht eine Mindestzahl an Geburten betreut.

Und weitere Hürden kommen in Kürze hinzu. Deutschland ist eines der wenigen Länder der Europäischen Union, in denen die Ausbildung zur Hebamme noch als Kombination von Schule und klinischer Ausbildung/Praxis erfolgt. In anderen Ländern ist sie bereits ein Studium. Und eine EU-Änderungsrichtlinie fordert, dass auch in Deutschland der Berufszugang für die Hebammenausbildung auf zwölf Jahre allgemeine schulische Ausbildung angehoben wird und Ausbildungsinhalte erweitert werden. Eine Hochschulreife aber schränkt den Kreis eigentlich interessierter und durchaus auch begabter Frauen deutlich ein.

Der Berufsstand steht also vor enormen Veränderungen, und die müssen politisch begleitet und ermöglicht werden. Um Hebammen zukünftig für den ländlichen Raum zu begeistern, könnte es aus Sicht der Grünen im Landkreis Verden eine sinnvolle Weiche sein, das Verdener Krankenhaus zum Ausbildungskrankenhaus auszubauen. Unter anderem darüber wollen sie auf der Mitgliederversammlung sprechen.

 

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