Manfred Schimmel/pixelio

Keine Erdgasförderung im Trinkwasserschutzgebiet Panzenberg

Seit 1983 fördert der Trinkwasserverband Verden über sieben Tiefenbrunnen Trinkwasser aus dem Wassergewinnungsgebiet Panzenberg in der Nähe Verdens – jährlich bis zu zehn Millionen Kubikmeter. Das Wasserschutzgebiet Panzenberg gehört zur Rotenburger Rinne. Mehrere hundert Tausend Menschen erhalten bis nach Bremen ein hervorragendes Trinkwasser. Sogar ein bekanntes Bremer Bierbrauunternehmen schätzt die hohe Qualität des Panzenberger Wassers und verwendet es zur Herstellung des Bieres.

Doch seit 2011 bekannt wurde, dass das damalige Erdgas-Förderunternehmen RWE-DEA ungeeignete Kunststoffrohre zum Transport von benzol-verseuchtem Lagerstättenwasser verwendet und giftige Abfallwasser im Wasserschutzgebiet Panzenberg verklappt hat, ist es mit der „heilen Welt“ der Trinkwasser-Förderung vorbei. Unkontrolliert sind krebsverdächtige Substanzen aus den undichten Rohren ins Erdreich und ins Grundwasser gelangt. Darüber hinaus sind 300.000 Kubikmeter Lagerwasser von der Deutschen Erdöl AG in das Wassergewinnungsgebiet geleitet worden. Diese Einleitung des giftigen Wassers hat die DEA als selbstverständlich angesehen, obwohl der nächste Trinkwassertiefbrunnen nur 400 Meter entfernt ist.

Doch ungeachtet der genehmigten Trinkwasserförderung beabsichtigt die DEA eine neue Bohrstelle zur Förderung von Erdgas im Trinkwasserschutzgebiet Panzenberg einzurichten. Dazu soll die Untere Wasserbehörde des Landkreises eine wasserrechtliche Erlaubnis und das Landesamt für Bergbau, kurz LBEG, in Hannover eine Fördergenehmigung erteilen.

Um die Bürgerinnen und Bürger vor den Verschmutzungen der Erdgasindustrie zu schützen, wollen wir Grünen die Erdgasförderung in Wasserschutzgebieten verbieten. Dies soll durch eine Überarbeitung der Schutzverordnung für Wasserschutzgebiete insbesondere Panzenberg von 1983 geschehen. Wir wollen Fracking, die Verpressung von giftigen Lagerstättenwasser und das Bohren nach Erdgas ausschließen. Dazu haben wir einen Antrag in den Kreistag eingebracht. Umwelt und Trinkwasserschutz haben für uns oberste Priorität. Die Profitinteressen eines Erdgasunternehmens haben sich diesen Zielen unterzuordnen.

34 Jahre sind seit der Inkraftsetzung der Schutzverordnung für das Wasserschutzgebiet Panzenberg vergangen. In der Zwischenzeit sind auf Landes-, Bundes- und EU Ebene zahlreiche schärfere Regelungen zum Trinkwasserschutz in Kraft getreten. Diese Neuerungen müssen in die Verordnung schnellstens aufgenommen werden, damit wie im Landkreis Rotenburg die Aktivitäten der Erdgasindustrie erheblich eingeschränkt bzw. zur Einstellung gebracht werden.

Welche Mittel gibt es überhaupt, das DEA-Vorhaben zu verhindern, nachdem jetzt der Antrag gestellt wurde? Der lautstarke Protest und Appell an die DEA, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen, ist natürlich wichtig. Zentral ist jetzt, wie das Genehmigungsverfahren läuft und wie die Genehmigungsbehörden ihren Handlungsspielraum nutzen. Im Fall der wasserrechtlichen Erlaubnis ist das der Landkreis, beim LBEG liegt ein Antrag wegen einer  UVP-Vorprüfung vor. Natürlich müssen die Genehmigungsbehörden im Verfahren neutral sein. Aber sie sollten alle Mittel ausschöpfen, um eine fachlich begründete und juristisch haltbare Entscheidung zu treffen.

Entscheidender Punkt bei der wasserrechtlichen Erlaubnis ist dabei die Frage, ob die Dichtigkeit der Bohrung – auch nach dem Ende der Förderung – garantiert werden kann. Hieran bestehen erhebliche Zweifel. Bei dieser Beurteilung darf sich der Landkreis nicht auf irgendwelche Aussagen der DEA verlassen, sondern muss auch kritischen Sachverstand zu Rate ziehen und die Bedenken und Argumente von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und betroffenen Bürgern anhören und in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

Der forcierte Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonne macht die Erdgasförderung überflüssig. Die Einrichtung einer regionalen Energieagentur im Landkreis Verden soll einen Beitrag dazu leisten, Energie effizienter zu nutzen bzw. einzusparen. Natürlich müssen auf Landes- und Bundesebene die entsprechenden Weichenstellungen zum Schutz der Umwelt und des Klimas gestellt werden. Doch auch vor Ort kann jeder und jede einen Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen leisten.

Erich von Hofe,
Kreistagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen aus Fischerhude

 

 

 

 

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