„Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel?“

Doris Gerken im Verdener Gespräch:
Verden und die Welt

Alle reden vom Wetter. Wir erleben tagelangen Dauerregen, Starkregen, der vom Himmel fällt, grauen Himmel mit morgendlichen Gewittern und zum Teil tropischen Temperaturen. Sind das noch „normale“ Ausreißer, übliche Wetterphänomene, oder sind das bereits die spürbaren Vorboten eines Klimawandels?

Es sieht aus, als ob der Landkreis Verden nicht von einem dramatischen Hochwasser betroffen sein wird und es nochmal glimpflich verlaufen wird für unsere Region. Dennoch haben einige von uns Probleme mit Wasser in den Kellern, übergelaufenen Gullys, und die Landwirte sorgen sich um die Ernte.

Es hat sich gezeigt, dass sich etwas geändert hat. In den letzten Jahren hat es häufigere und höhere Hochwasser gegeben als in den letzten 100 Jahren zuvor. Niemand, der sich ernsthaft mit den weltweiten Klimaveränderungen befasst, kann die Veränderungen leugnen.

Doris Gerken radelt gegen den Klimawandel und für die Zukunft ihrer und aller Kinder

Wenn wir aber hier erst die Auswirkungen des Klimawandels in dramatischem Ausmaß spüren werden, so wie es in Ländern des globalen Südens bereits der Fall ist, dann wird es zu spät sein.

Noch können wir uns nicht vorstellen, das Verden geflutet wird. Obwohl die Industrienationen die größten Verursacher des Klimawandels sind, sind sie selbst bislang noch relativ wenig davon betroffen.

Noch wird unsere Region nicht so vom Ansteigen des Meeresspiegels bedroht wie die Malediven, Bangladesch oder Pakistan. Trotz der Tatsache, dass der afrikanische Kontinent am wenigsten zu den menschlichen Faktoren des Klimawandels beigetragen hat, ist er am schlimmsten davon betroffen. Anhaltende Dürre einerseits und Starkregen andererseits führen zu Hungersnöten, Krankheiten und lösen Migrationsbewegungen aus. Sieben von den zehn am meisten durch den Klimawandel beeinträchtigten Gebiete liegen auf dem afrikanischen Kontinent.

Das bedeutet, es muss jetzt umfassend und radikal gehandelt werden, um globale Katastrophen, die mit Verzögerung auch unsere Region erreichen werden, zu verhindern.

Was bedeutet „radikal handeln“? Nicht mehr, als konsequent an die „Wurzeln des Übels“ zu gehen und diese zu begrenzen und langfristig auszuschalten. Es ist unstrittig, dass die fossilen Energien Ursache des Klimawandels sind. Die Industrienationen benutzen die Atmosphäre als Müllkippe. Wir verzeichnen einen Anstieg des CO2 Ausstoßes seit dem Jahr 2000 um 40%. Ein weiterer Anstieg in dieser Geschwindigkeit wird unseren Planeten unbewohnbar werden lassen.

Aber noch lassen sich diese Entwicklungen stoppen. Internationale Vereinbarungen wie das Pariser Klimaabkommen müssen konsequent umgesetzt werden. Auf nationaler Ebene kann eine Energiewende, die ihren Namen wirklich verdient, umgesetzt werden; Subventionen für grüne, klimaschonende Investitionen können entwickelt und technische Entwicklungen, die unsere Umwelt schützen, können gefördert werden, anstatt weiterer Unterstützung klimaschädlicher Produktion.

Diese Forderungen bedeuten nicht, in der Region tatenlos zu bleiben und nur zu hoffen, dass „die da oben“ global schon alles richten werden.

Auch Kommunalpolitik kann und muss einen wichtigen Betrag zum Klimaschutz leisten. Das fängt beim Toilettenpapier mit dem „Blauen Engel“ an, das in öffentlichen Gebäuden genutzt wird, und hört bei guten Verkehrskonzepten, die Alternativen zur abgasproduzierenden Mobilität entwerfen, noch lange nicht auf.

Durch energieeffizientes Bauen kann ein großer Teil CO2 eingespart werden. Hier kann Stadt und Regionalentwicklung deutliche Signale setzen. Gute Wärmeversorgung ist mit regenerativen Energien möglich. Alle vorhandenen Fördermöglichkeiten, die Land und Bund bereitstellen, könnten in der Region genutzt werden.

Und nicht zuletzt können auch wir Verbraucherinnen und Verbrauchen durch effiziente Energienutzung und verantwortungsbewusstes Konsumverhalten unseren Beitrag vor Ort zum weltweiten Klimaschutz leisten.

Klimaschutz ist nicht alles? Aber alles ist nichts ohne Klimaschutz und eine gesunde Umwelt. Globale und regionale Entwicklungen lassen sich nicht trennen.

Ihre/Eure Doris Gerken

 

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