„Milchpreiskrise ruiniert auch Betriebe im Landkreis Verden“

Kreistagsfraktion hat eine Anfrage zur Milchmarktsituation vor Ort an den Landkreis gestellt 

Landwirte bekommen derzeit rund 30 Cent für einen Liter Milch und damit schon 10 Cent mehr als noch vor einigen Monaten. Dennoch reicht das vorne und hinten nicht. „Die Vollkosten für die Herstellung eines Liters Milch betragen für die Milchbäuerinnen und Milchbauern derzeit durchschnittlich 44 Cent“, weiß der grüne Kreistagsabgeordnete Erich von Hofe aus Fischerhude.

Das hat schon zur Folge, dass immer wieder Betriebe aufgeben. Doch: Weniger Milch wird nicht produziert. Vielmehr muss – nicht zuletzt dank dieser jetzt gestiegenen Preise – nun wieder mit einer steigenden Produktion von Milch gerechnet werden.

Informationsente: Anders lässt sich wohl auch nicht erklären, warum ein Milchbauer mit einem Milchviehstall für 600 Kühe an der Kreisgrenze Verdens einen Stallanbau für weitere 300 Plätze im Nachbarkreis genehmigt bekommen hat.


 

Nachtrag:

Mittlerweile wissen wir: Dass der Milchviehbetrieb aus Riede-Felde sich in den Nachbarlandkreis ausdehnen will, war eine Fehlinformation. Trotzdem hat das Thema nichts an Brisanz verloren, denn es liegt wohl schon lange ein Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für einen Megastall für 1400 Milchkühe an der Landkreisgrenze, aber noch im LK Verden vor. Im Vorfeld muss der Samtgemeinderat Thedinghausen den Flächennutzungsplan ändern, die Fläche als „Sondergebiet Rindvielhaltung“ ausweisen und vom Landkreis genehmigen lassen. Milchproduktion und Rinderhaltung im gewerblichen Maßstab. Viele Gründe sprechen aus grüner Sicht gegen solche Megaställe. Ganz sicher aber machen sie keinen Sinn, wenn man bedenkt, dass wir aktuell mit Steuergeldern das Milchmengenreduktionsprogramm stützen, da zu viel Milch am Markt ist. Wir bleiben dran.


Noch mehr Kühe, noch mehr Milch. Das verschärft nach Ansicht des Kreistagsabgeordneten Frank-Peter Seemann das Problem nur immer weiter. Dieses neue Bauprojekt ist daher Aufhänger für eine Anfrage der Grünen Kreistagsabgeordneten an den Landkreis Verden zur Krise in der Milchwirtschaft. Sie wollen wissen:

  • Wie hat sich die Struktur der Betriebe im Landkreis Verden in den letzten zehn Jahren verändert hat?
  • Warum will der Betrieb den neuen Stall auf Gelände im Nachbarlandkreis bauen? Und liegt dafür tatsächlich schon eine Baugenehmigung vor?
  • Wurde der Landkreis Verden am Genehmigungsverfahren beteiligt? Wie ist eine landkreisübergreifende Stallerweiterung immissionsschutzrechtlich und im Hinblick auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu bewerten?

Außerdem wollen die Grünen wissen, wie viele Milcherzeuger aus dem Landkreis freiwillig am Milchmengenreduktionsprogramm teilgenommen haben und wie groß die reduzierte Milchmenge ist?

Denn bundesweit wird gerade das Nichtproduzieren von Milch subventioniert – immerhin mit 14 Cent pro nicht produziertem Liter. Da macht es nach Ansicht der Grünen eigentlich keinen Sinn, gleichzeitig neue Ställe zu genehmigen.

Angehängt finden Sie Informationen zur Milchmengenreduktion (S. 1 von 4, aber das Wichtigste wird erklärt).

Info-Blatt_Milchmengen-Reduktionsprogramm_NI-HB_Stellung_des_Auszahlungsantrags S1

Verwandte Artikel